WOHNUNGSNOT (18. Oktober 2004)         

"Die Leute prŸgeln sich fast um ein Zimmer"

 

PŸnktlich zum Semesterbeginn grassiert[i] unter StudienanfŠngern die Angst, kein Dach Ÿber dem Kopf zu finden. Vor allem in sŸddeutschen Uni-StŠdten fehlt es an bezahlbaren Wohnungen - Container, Notboxen und "Wohn-WŸrfel" sollen helfen.


 

 

Zettelwand in der Mensa: Zimmer verzweifelt gesucht"

"Es ist immer dasselbe zu Semesterbeginn: In unserer Tageszeitung gibt es so gut wie keine Angebote mehr, nur noch Gesuche.[ii] Und auch die Internet-Zimmerbšrse ist mit Gesuchen Ÿberschwemmt", berichtet Studentenvertreterin Beate Schmid. "Selbst fŸr ein neun Quadratmeter-Zimmerchen werden inzwischen 300 Euro und mehr gefordert. Und trotzdem stehen 50 Leute Schlange und prŸgeln sich fast um ein Zimmer."

 

Besonders angespannt sei die Situation in den traditionsreichen Uni-StŠdten in SŸddeutschland, hei§t es beim Deutschen Studentenwerk[iii]. "Es wird langsam zur Gewohnheit, dass dort zu Semesterbeginn NotunterkŸnfte eingerichtet werden mŸssen. Und das darf nicht sein", so Andrea Hoops. FŸr die rund zwei Millionen deutschen Studenten gebe es nur 220.000 WohnheimplŠtze - "dieses MissverhŠltnis muss schleunigst beseitigt werden".

 

Notboxen stehen schon bereit

In MŸnchen betreibt das Studentenwerk eine Container-Siedlung fŸr Studenten. Zum Semesterstart kam ein †bergangsquartier in einer alten Kaserne dazu, die eigentlich saniert werden sollte. "Au§erdem halten wir Notboxen bereit. Die kšnnen wir innerhalb eines Tages aufstellen, wenn die Leute bei uns vor der TŸr stehen und nicht wissen wohin", sagt Studentenwerkssprecher Matthias Nebel.

 

Wohncontainer (in MŸnchen): Mahlzeit!

Dass in einigen StŠdten Wohnungsnot herrscht, liegt vor allem daran, dass die Zahl der Studenten in Deutschland steigt - zuletzt um vier Prozent jŠhrlich. Die Zahl der auslŠndischen Gaststudenten hat sich in den vergangenen sechs Jahren sogar verdoppelt. "Ein Erfolg der internationalen Kampagne fŸr das Studienland Deutschland", sagt Andrea Hoops. "Auf der anderen Seite mŸssen wir hšllisch aufpassen, dass die jungen Leute nicht frustriert nach Hause fahren, weil sie bei uns keine bezahlbare Bleibe[iv] finden."

 

In Frankfurt, Hamburg und MŸnchen haben es Studenten mit kleinem Budget besonders schwer: Hier liegen die Durchschnittspreise fŸr eine Studentenbude zum Teil deutlich Ÿber 300 Euro, hat das Institut der Deutschen Wirtschaft ermittelt.

 

In Hamburg gab es zu Semesterbeginn Zimmer-Verlosungen[v] fŸr Gaststudenten, die sich nicht rechtzeitig beworben hatten. Wer leer ausging, muss ein halbes Jahr auf einen Wohnheimplatz warten. "Leider wollen viele private Vermieter nicht an auslŠndische Studenten vermieten, weil sie Angst haben, ihr Geld nicht zu bekommen", sagt Matthias Nebel. "Und je fremder die Studenten sind, desto grš§er sind die Vorbehalte."

 

Auch in den ostdeutschen Uni-StŠdten haben es Studenten lŠngst nicht mehr so leicht wie noch vor ein paar Jahren. In Ilmenau im ThŸringer Wald haben sich die Preise fŸr eine Studentenbude in den vergangenen vier Jahren fast verdoppelt - trotzdem ist die Stadt mit durchschnittlich 181 Euro noch immer das gŸnstige Pflaster unter den Uni-StŠdten.

 

"Bei uns muss keiner unter der BrŸcke wohnen, aber die Zimmervermittlung ist inzwischen mit riesigen Aufwand verbunden", sagt Roswitha Deblitz vom Magdeburger Studentenwerk. Auf 1500 AntrŠge[vi] kŠmen gerade mal 200 freie WohnheimplŠtze. Mit einiger MŸhe kŠmen aber alle unter - wenn auch in teureren Privatwohnungen.

 

Die gro§en Ausnahmen unter den Uni-StŠdten sind Berlin, Leipzig und Dresden: "Bei uns gibt es sogar ein †berangebot an Wohnungen", sagt der Berliner Studentenwerkssprecher Klaus Kittel. "Die Wohnungsunternehmen sind doch froh, wenn sie Ÿberhaupt jemanden finden und ihre LeerstŠnde verringern kšnnen", hei§t es beim Studentenwerk Dresden.

 

 

Behelfs-Bleibe: Projekt "iHome"

Von LeerstŠnden kann man im SŸden Deutschlands nur trŠumen. Doch vielleicht wohnen MŸnchner Studenten schon bald in "Micro Compact Homes": Hinter diesem Namen verbergen sich[vii] "Wohn-WŸrfel" mit einer SeitenlŠnge von 2,65 Metern und einer Multifunktions-WohnflŠche von sieben Quadratmetern.

"Das Compact Home ist eine komplett ausgestattete kleine Wohnung mit Nasszelle, KŸche, Bett und Schreibtisch. Jeder Zentimeter wird optimal genutzt", sagt die Architektin Lydia Haack. Die kleinen HŠuschen wurden an der Technischen UniversitŠt MŸnchen entwickelt und sollen demnŠchst in Serie produziert werden. Derzeit wartet das Studentenwerk auf die Genehmigung[viii] fŸr eine Siedlung mit elf Wohn-WŸrfeln in der NŠhe des Englischen Gartens.

 

Von Matthias Armborst, AP



[i] to spread

[ii] request

[iii] nationwide organization providing services to students (e.g. cafeterias, housing, etc.)

[iv] place to stay

[v] lotteries

[vi] applications

[vii] to hide (behind)

[viii] permit